Bücher

Aus meinen vollen Regalen - das sind die Bücher, die mich zu verschiedenen Zeiten meines Lebens entscheidend geprägt, beeinflusst, inspiriert und begleitet haben -

Milan Kundera, "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"
das erste "erwachsene" Buch, das ich gelesen habe - irgendwann in meiner Hochpubertät; das erste Buch, das mich begreifen ließ, was Bücher können können: Erzählstränge vernetzen, Impulse aus Musik und Malerei hereinnehmen, warmherzig sein… aufregend sein …

Hertha Kräftner, "Kühle Sterne"
Hertha Kräftner war Schriftstellerin, sie ist im Burgenland aufgewachsen, wurde im Kreis um Hans Weigel der "literarisch interessierten Öffentlichkeit" bekannt - und brachte sich um, mit 23. Ich habe die "Kühlen Sterne" gelesen wie ein Priester sein Brevier. Ich könnte aus dem Stand kein zweites Buch nennen, das mich als Person, mich als mich, dermaßen berührt und gepackt hat. In ihrem radikalen Eigentlich-bin-das-Ich, der bedingungslosen Offenheit ihrer Texte schafft Hertha Kräftner eine Literatur, die direkt auf die Existenz abzielt - mehr, als ich das von anderen Büchern weiß und erfahren habe.

Camille de Toledo, "Goodbye Tristesse"
endlich eine Gesellschaftskritik, die den Finger direkt auf den heißen Punkt legt: wir ersticken vor lauter Events, vor lauter Verkaufbarkeiten, Plakaten, Ästhetik, Marktschreierei - und merken nicht, dass uns dabei das verlorengeht, worauf es ankommt: unsere Authentizität, unsere Freiräume, unsere Ideen. Toledo schreibt Widerstand. Seien wir romantisch, realistisch, lebendig - verlangen wir, leben wir … warum reden wir eigentlich immer nur vom Unmöglichen?
Dieses Buch habe ich weitergegeben, es wird wiederum weitergegeben werden, und ich wünsche mir, dass es seine Kreise zieht. - Starker Bezugspunkt für Toledo ist übrigens Albert Camus - auch so ein Freund von mir, "Der Fremde", "Der Mensch in der Revolte"…

Fedor Dostojewskij, "Der Idiot"
hat mich zwei Jahre lang begleitet, von meiner ersten Lektüre bis zum Abschluss meines Studiums - über den "Idiot" habe ich meine Diplomarbeit geschrieben, nachdem ich beschlossen habe, dreißig Seiten über die Hysterie von Nastasja Filippovna, über heilendes Sprechen, über Schweigeformen und Diskurskorsette in einer von Geld regierten, kranken Gesellschaft nicht zu verwerfen, sondern das Nützliche mit dem Angenehmen (bzw. eigentlich mit "dem das von mir Geschriebenwerden Einfordernden") zu verbinden. - Geprägt haben mich der Humor, der durch alle Tragik scheint, das Drängende, Übersteigerte, die Massenszenen; die Erzählungen in der Erzählung; der Mut, die persönlichen, tiefsten existentiellen Erfahrungen in das Schreiben mitzunehmen. Im "Idiot" reflektiert die Hauptfigur, Prinz Myschkin, ein Gespräch mit jemandem, der zum Tod verurteilt war und in letzter Minute begnadigt wurde: das Vorbereiten auf den Tod. Die Konzentration auf das Leben. - Die Begnadigung in letzter Minute hat Dostojewskij selbst erlebt.

Erica Jong
sie produziert zwar auch auf den amerikanischen Buchmarkt zu - ein Räubergeschaft… aber jene ihrer Bücher, in denen sie unverstellt die eigene Biographie verarbeitet, von "Fear of Flying" bis "Fear of Fifty", haben mir Mut gemacht: warum muss eine Schriftstellerin, ein Schriftsteller behaupten, ihre, seine Bücher hätten nichts mit dem eigenen Leben zu tun? Wunderschön an unserem Dasein als Schriftstellerin, Schriftsteller: das Zusammenfließen von Leben und Arbeit. - Außerdem hat diese Frau keine Angst vor Sex.

Die Bibel
Immer wieder, und immer wieder anders - wenn auch weite Teile durch die Vermittlung meiner Umgebung in mich hineingesickert sind. Das Buch Judit zum Beispiel ist eine hochspannende Novelle, die Psalmen sind wunderbare Poesie - und die Evangelien Erzählungen über einen verdammt mutigen Revolutionär, einen Liebenden, einen Scheiternden.

Virginia Woolf, "To the Lighthouse"
eine der schönsten Meditationen über Wissenschaft und Kunst, Männer und Frauen in Kunst und Wissenschaft, Frauen und Männer miteinander - das Vergehen der Zeit -

Menschen und Orte

OHO
Das Offene Haus Oberwart ist einer der lebendigsten Kunstorte im Burgenland: hier geschieht Theater, Tanz, Fotografie, Malerei... hier wurden und werden alle meine Bücher zuerst vorgestellt, hier hatte mein Stück "Dorf.Interrupted" seine Uraufführung. Hier passiert, was zum Schönsten gehört, was es gibt: Vernetzung von Menschen mit Ideen, Herz, Verstand und Einsatz.

Vladimir Kustov
ist Künstler aus Sankt Petersburg und unter anderem Kurator des dortigen Museums für Gerichtsmedizin - ein Ort, an den ich durch eine Verkettung von Zufällen geraten bin und an dem ich mich, umgeben von Lebenden, von Leichen und ihren Teilen, außerordentlich wohl gefühlt habe, und das ist Vladimir zu verdanken. Er hat die Fotos für "Die erzählte Stadt" gemacht; die Graphiken in "Alpha, Theta, Kitsch und Hirnblumen", das gerade im Entstehen ist, sind ebenfalls gerade im Entstehen, und so arbeiten wir gerade zum zweiten Mal über tausende Kilometer Luftraum hinweg zusammen.

Dessislaw Pajakoff
Ja, was ist der Dessislaw Pajakoff denn nun wirklich? - Alles hiervon: Kabarettist, Fotograf, Schriftsteller, Zwischenweltenkind (Achse Bulgarien - Österreich)... ein Denker, Gesprächeführer, Sammler... etc., etc. Siehe: "Pajakoff, der Leser, Pajakoff, der Slawe, Pajakoff, die Katzen, Pajakoff, mein Auge. Kabarett." in "Schnitte - Portraits - Fremde".

Peter Wagner
ist Schriftsteller, Regisseur, Filmemacher aus dem Südburgenland, wo ich auch herkomme: ein Aufmischer, Anreger, Erinnerer. Er hat mein Stück "Dorf.Interrupted" inszeniert und mein erstes Buch, "Schnitte - Portraits - Fremde", herausgebracht.

Robert Saphin, rosa extended theatre
"Rosa Extended Theatre" ist ein Verein, der dazu da ist, Theater im öffentlichen Raum zu machen - und möglich zu machen. Gemeinsam planen Robert Saphin und ich eine zeitgemäße, österreichische "Medea" - die dann, an einem kalten Frühlingstag, irgendwo in Wien, scheinbar bettelnd, ihren Monolog beginnen wird, in den dann ein scheinbar Vorübergehender, Jason nämlich, einfallen wird... und Filmskripte macht der Robert Saphin auch.

Liz King, Dance Identity
Endlich bewegt sich was im Burgenland - mit den Körpern fängt es an… Liz King, ehemalige Leiterin des Volksopernballetts, möchte über "Dance Identity" zeitgenössischen Tanz im Burgenland etablieren: das Projekt umfasst Workshops, Aus- und Weiterbildungen und Aufführungen in Zusammenarbeit mit Tänzerinnen und Tänzern aus Österreich, Ungarn und Tschechien.

STUTHE
ist eine Theaterplattform (nicht nur) für Studentinnen und Studenten. Hier machen alle Theater, die Theater machen wollen, sie machen feines Theater, bespielen unter anderem das Ensembletheater am Wiener Petersplatz - und das, ohne dabei was zu verdienen. Der Sache wegen.

Museum der Träume Sigmund Freuds
Das ist einer der Orte, an dem mir geholfen wurde, das Buch über Petersburg zu schreiben: gegründet wurde dieses kleine Museum von Viktor Mazin - zum 100. Geburtstag der "Traumdeutung"; Thema sind Freuds Träume, Freuds Liebe zur Kunst und zum Sammeln; nicht das Materielle steht im Vordergrund, sondern das Ephemere und Virtuelle. Hier sollen Assoziationen im Betrachter geweckt werden; die Installation stammt von Vladimir Kustov, der auch die Fotos für mein Buch "Die erzählte Stadt" gemacht hat - dazu kommen Vorträge, Diskussionen, Performances etc. etc.
von dingen, urwälder...