Presse

Mann Ohr Mann! Ein Geschlecht wird belauscht

Das „Ohr“ an vielen Männern zu haben bedeutet auch, viele Informationen abzuspeichern, die dann in ein bestimmtes Gefäß gegossen werden müssen, um das Publikum zu unterhalten. Die Autorin fand dafür gemeinsam mit Julia Nina Kneussel, die für die Regie verantwortlich ist und Bernhard Eder, der die Musik beisteuerte, eine sehr spezielle und höchst kunstvolle Form. Ihre drei Protagonisten – Alexander Fennon, Nikolaus Firmkranz und Albert Friedl – schlüpfen dabei in viele unterschiedliche Rollen, aber jeweils nur für wenige Augenblicke. Keine Geschichte wird von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende komplett durchgehend auserzählt. Vielmehr bestimmen Fragmente und Überlagerungen der Texte das Geschehen. Dadurch entsteht ein rhythmisiertes Ganzes, das nahe an einer musikalischen Komposition liegt. E-Gitarre, Schlagzeug, Klavier und Akkorden, diese Instrumente ergänzen und verstärken diesen Eindruck noch. (...) In einer rasanten Abfolge werden Themen wie Krieg, Vaterschaft, Beruf und Sexualität angerissen. Dabei erfüllen die drei Männer auf der Bühne alle Erwartungshaltungen, die man einer Gruppe Männern gegenüber haben kann. Sie spielen sich als Alphatiere auf, brüllen sich gegenseitig nieder, aber klopfen sich auch kumpelhaft auf die Schulter. Sie unterbrechen sich rüde, lassen aber die anderen auch einmal ausreden und zu Wort kommen. Den Text in dieser Kritik zu zerpflücken, wäre strafbar. Würde bedeuten, dem Abend seine Spannung, seine Attraktivität, seinen Zauber und seine Poesie zu nehmen.

Den einzigen Ratschlag, den man für künftiges Publikum geben kann ist: Zurücklehnen, Augen und Ohren aufmachen, nicht krampfhaft den Denkapparat bemühen wollen, sondern den Strom an Worten, Melodien, an Ideen und Gedanken einfach fließen lassen.

Aurelia Gruber, european-cultural-news.com, 12.11.2015

 

Die Kümmerinnen in: Leuchtkraftformel

Gut, dass es kein „happy end“, ja fast eine paradoxe Intervention gibt. So bleibt die Aufgabe, selbst zu hinterfragen – ob sich der herrschenden Logik zu unterwerfen oder zu widersetzen. Noch besser an dem Stück von Katharina Tiwald ist das Feuerwerk an Sprachspielen und –melodien. Eine Stunde lang ein von viel mitunter bissigem Humor durch

Heinz Wagner, kurier.at, 02.10.2014

 

Die Kümmerinnen in: Leuchtkraftformel

Lust an der Sprache

Verheißungsvoll und zum Großteil gelungen sind die Sprachspiele, die von den vier Schauspielerinnen mit großer Lust und in ekstatischer Form geradezu zelebriert werden. Es wird geflüstert, gesungen, gerappt, geschrien, Wortspiele inklusive. Interessant auch die Thematisierung der "Kommunikationswissenschaften", auf deren Basis sich ein Klangteppich entfaltet, der von "Kokominukakationswischensaften" zu "Kaka wischen" wird und so das Interesse der Frau an der Karriere andeuten dürfte, das jedoch durch eine scheinbar unabwendbare Schwanger- und folgende Mutterschaft immer wieder gebrochen wird. Humor wird mit der ad absurdum geführten gläsernen Decke bewiesen, die sich ins Glashaus verwandelt und aus dem die Frau, wie sie weiß, nicht mit Bratpfannen werfen sollte. Wieder ist es die der Frau (auch von sich selbst) so eingeschriebene Rolle, die das Ausbrechen aus ihrer "Miss"lage verhindert. Letztere wird auch immer wieder durch elliptische, ins Leere führende Sätze verdeutlicht, es herrscht Ahnungslosigkeit. Abgesehen von einigen fragwürdigen Attacken gegen Männer, eine humorvolle Aufarbeitung von Klischees, eine klang- und sprachstarke Inszenierung.

Katharina Wappel, Wiener Zeitung, 23.09.2014

 

True Basra Bulletin

"Ich finde, dass der Text aus Basra der souveränste von allen war. Ich hatte das Gefühl, das ist der oder die erwachsenste AutorIn. Ich fand den Text extrem gut recherchiert und rasant, sehr bilderreich, aufregend und sehr cool."

Dirk Stermann, FM4, 02.10.2013

 

Die Kümmerinnen

Der unter dem Thema "Empört euch!" stehende diesjährige Nachwuchswettbewerb des Wiener Theater Drachengasse ist nach einer dreiwöchigen Spielserie der vier besten Einreichungen entschieden: Den mit 5.000 Euro dotierten Jurypreis erhielt Samstagabend das Projekt "Achtundsechzig Jahre Kriegsfreiheit" (Text: Leon Engler, Regie: Michael Schlecht). In der "kriegerischen Ansprache" spielten Wojo van Brouwer und Martin Vischer.

Mit dem Publikumspreis (1.000 Euro) wurde das Projekt "Die Kümmerinnen. Oder: Du hast leicht loslassen! - Ein Stimmteppich erboster Fraulichkeit" (Text: Katharina Tiwald, Regie: Julia Kneussel) ausgezeichnet.

Mit 98 Einreichungen für den Wettbewerb wurde eine Rekord-Teilnehmerzahl erreicht. (...) Die beiden Sieger-Projekte werden in der nächsten bzw. übernächsten Saison in einer abendfüllenden Version in der Drachengasse zu sehen sein.

APA, Der Standard, 24.06.2013

 

Die Kümmerinnen

"Bravourös präsentieren vier Schauspielerinnen (Anna Maria Eder, Pippa Galli, Katharina von Harsdorf, Viktoria Hillisch) das Gender- und Emanzipationsvokabular in "Die Kümmerinnen" von Katharina Tiwald."

Lona Chernel, Wiener Zeitung, 04.06.2013

 

Die Wahrheit ist ein Heer

„Es ist nicht genug, einfach irgendwie eine Geschichte zu erzählen, damit sie erzählt ist.“ Mit dieser Einstellung hat sich die junge Österreicherin Katharina Tiwald an die Arbeit gemacht, um einen dringend notwendigen Roman über Pubertierende, den schulischen Mikrokosmos, Entwicklung und Selbstfindung zu schreiben. Achtzig Jahre nach dem Schüler Gerber wird das Mädchen G. zu einer neuen Identifikationsfigur.
Die Geschichte beginnt mit dem ersten Schultag, dem erhobenen Zeigefinger des Vaters, dem überzeugten Prediger von Lebensernst und Pflichterfüllung. Die kleine G. betritt eine Welt, deren Spielregeln verwirrend, demütigend, erschreckend und aufregend sind. Lehrer sind Redner, die Sprache ist ihre Waffe, ihr Wundermittel. Wissen unterschiedlichster Art überrollt G. Denn nicht nur der Unterricht stellt sie vor neue Erkenntnisse, die Welt des Pausenhofs, die Reviere der Alpha-typen, die mehr oder weniger verborgenen sozialen Kämpfe im Dickicht des Klassendschungels verlangen genau so viel Aufmerksamkeit.
Dieses rasante Lerntempo stellt Tiwald gekonnt mit ihrer Erzählstimme dar: Eine wichtige Episode reiht sich an die nächste, die Zeit dazwischen wird ausgeklammert, Wortschöpfungen tragen die Grundstimmung, Beklemmung, Angst und der Zauber der ersten Verliebtheit verschmelzen in fulminanter Sprachdichte zu einem Bilderstrom. Manchmal gerät das ein wenig überbordend, nicht jede Liste von Vergleichen wäre notwendig gewesen, manchmal wechselt die Stimme dadurch auch zu sehr ins Erwachsenenlager, jedoch tut das der durchgehenden Qualität des Textes wenig an.

Unter Druck

Tiwald sieht genau hin, schafft es, die komplexen Abläufe im Leben der Jugendlichen trotz der Zeitraffermethode nachvollziehbar zu gestalten. Episoden und Figuren erhalten etwas allgemein Gültiges, die Schriftstellerin als Privatperson verschwindet vollkommen (...). Die eigene Befindlichkeit ist nicht ihr Thema. Ihr ist wichtig zu zeigen, unter welchem Druck die Heranwachsenden stehen, die Intensität dieser Jahre darzustellen.
G. wird an den Ansprüchen vieler zerbrechen, an den Erwartungen und an der Blindheit derer, die sie lieben. G. wird in ihrer Einsamkeit von allen als jemand anderer wahrgenommen, eine süße Kollegin, ein lieber Kumpel, eine gute Schülerin, eine angepasste Tochter, eine, die sich auf Lust und Leidenschaft einlässt und teuer dafür bezahlen muss, eine, deren Hilferufe niemand hört. Auch deshalb sollte dieser Roman eine Pflichtlektüre sein.

Beatrix Kramlovsky, Die Furche, 05.11.2012

 

Die Wahrheit ist ein Heer

Die 1979 in Wiener Neustadt geborene und im Südburgenland lebende Autorin Katharina Tiwald, legt mit diesem Roman ein gewaltiges, hermetisches Stück Literatur vor.

Die Handlung spielt in und um ein Gymnasium in der Provinz. Dabei arbeitet die Autorin ein „Mädchen G.“ vom zwölften bis zum fünfzehnten Lebensjahr mit all ihren Nöten, Ängsten und den familiären Unzulänglichkeiten kristallin heraus.

In kunstvoller Sprache, die den Rezensenten an Elfriede Jelinek erinnert, entwirft Tiwald einen zeitgenössischen Schulroman mit all den Verwerfungen und bildungssystematischen Schnittpunkten und Problemen in unserem Schulsystem. Langsam, nicht nur am „Mädchen G.“ sondern auch anhand etlicher ihrer MitschülerInnen zeigt die Autorin was es heißt, in die Schule zu gehen! In zwingenden Bildern ohne Geschwätzigkeit, wie auf dem Reißbrett entworfen, wir der jugendliche Lebensweg beschrieben, der im Erfolg, aber auch im völligen Scheitern enden kann.




Hubert Hutfless, City Magazin, 01.10.2012

 

Die Wahrheit ist ein Heer

Katharina Tiwald meint, dass sich Menschen zwischen 10 und 17 Jahren in einem "verdichteten Menschheitslaboratorium" befinden: "Die leben alles, was Leben sein kann, zusammengepresst zu einer irren Intensität." So intensiv erleben wir auch die Jugend der Hauptfigur G. in Tiwalds Buch, in einem Zeitraffer, alles Relevante aneinandergereiht zu einem exemplarischen Lebenslauf. Erster Schultag, Kindergeburtstag, Mathe-Schularbeit, Demütigungen von Komparsen-Klassenkollegen, Chillen im Park, gescheiterte Freundschaftsversuche, der erste Kuss, das erste Mal. Keine Pausen, keine Ersatzhandlungen, die Zwischenräume herausgeschnitten, keine Zeit für den Leser, sich zwischen den Zeilen auszuruhen.

Diese Tatsache macht neben der überwältigenden Sprache den Reiz von "Die Wahrheit ist ein Heer" aus. Der Roman wirft einen messerscharf-genauen Blick auf bürgerliches Aufwachsen und Selbstfindung und ist in seiner Analyse teilweise so erbarmungslos wie die Schule selbst. Eine klare Sicht auf die Zeit der Pubertät und Selbstfindung ohne "Graduation Goggles", ohne rückwirkendem Weichzeichner - aber mit viel Einfühlungsvermögen. Der Arbeitstitel des Buches könnte passender nicht sein: "Pflichtlektüre".



Olja Alvir, FM4, 29.09.2012

 

Ehrlichkeit, die betroffen macht

Das Genie braucht eine verständnisvolle Schulter zum Anlehnen", war einer der Schlüsselsätze bei der Uraufführung des Theaterstückes "Das Cosima Panorama" der burgenländischen Autorin Katharina Tiwald im Offenen Haus Oberwart (OHO). Tiwald schlüpfte selbst in die Rolle von Cosima Wagner, die ihre eigenen Bedürfnisse in der Ehe mit dem Jahrhundertkomponisten Richard Wagner gänzlich zurückgestellt hatte. Die Liszt-Tochter aus einem "Gspusi" mit einer französischen Adeligen betrieb die totale Selbstverleugnung, die in der Todessehnsucht gipfelte, um möglichst alle Alltagsbanalitäten aus dem Gesichtsfeld des begnadeten Tonkünstlers an ihrer Seite fernzuhalten. Da wurde auf dem Altar der hohen Kunst das eigene Lebensglück geopfert. "Halbe-halbe" steht in dieser ungleichen Geschlechterbeziehung nicht am Programm.
Die Halbfranzösin spricht sogar mit ihrer deutsch nationalen Zunge, wenn sie "die Franzosen als Fäulnis der Renaissance" abqualifiziert. Richard Wagner, Cosimas Zweit-Mann, ist ihr erklärter Halbgott, dem auch die mütterliche Liebe zu ihrer gemeinsamen Tochter Isolde hintangestellt wird. Der bittere Preis dafür ist malträtierende Seelenpein.
Regisseur Peter Wagner dockt mit seiner Inszenierung in der Gegenwart an, indem er per Videoeinspielung sieben burgenländische Frauen von existenziellen Bruchstellen in ihren Lebensläufen erzählen lässt. Das tun sie mit ungeschminkter Ehrlichkeit und schaffen so bei den Zuschauern viele dichte Momente des Betroffenseins.

Großartig war Katharina Tiwald als masochistische Cosima Wagner, die die Tür zu ihrem Innersten aufstößt und so das facettenreiche Bild einer pflichtbewussten Frau zeigt, die sich bedingungslos für das große Ganze aufopfert. Vom Premierenpublikum gab es dafür lang anhaltenden Applaus.

Franz Brugner, Kleine Zeitung, 03.01.2012

 

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