Ehrlichkeit, die betroffen macht

Das Genie braucht eine verständnisvolle Schulter zum Anlehnen“, war einer der Schlüsselsätze bei der Uraufführung des Theaterstückes „Das Cosima Panorama“ der burgenländischen Autorin Katharina Tiwald im Offenen Haus Oberwart (OHO). Tiwald schlüpfte selbst in die Rolle von Cosima Wagner, die ihre eigenen Bedürfnisse in der Ehe mit dem Jahrhundertkomponisten Richard Wagner gänzlich zurückgestellt hatte. Die Liszt-Tochter aus einem „Gspusi“ mit einer französischen Adeligen betrieb die totale Selbstverleugnung, die in der Todessehnsucht gipfelte, um möglichst alle Alltagsbanalitäten aus dem Gesichtsfeld des begnadeten Tonkünstlers an ihrer Seite fernzuhalten. Da wurde auf dem Altar der hohen Kunst das eigene Lebensglück geopfert. „Halbe-halbe“ steht in dieser ungleichen Geschlechterbeziehung nicht am Programm.
Die Halbfranzösin spricht sogar mit ihrer deutsch nationalen Zunge, wenn sie „die Franzosen als Fäulnis der Renaissance“ abqualifiziert. Richard Wagner, Cosimas Zweit-Mann, ist ihr erklärter Halbgott, dem auch die mütterliche Liebe zu ihrer gemeinsamen Tochter Isolde hintangestellt wird. Der bittere Preis dafür ist malträtierende Seelenpein.
Regisseur Peter Wagner dockt mit seiner Inszenierung in der Gegenwart an, indem er per Videoeinspielung sieben burgenländische Frauen von existenziellen Bruchstellen in ihren Lebensläufen erzählen lässt. Das tun sie mit ungeschminkter Ehrlichkeit und schaffen so bei den Zuschauern viele dichte Momente des Betroffenseins.

Großartig war Katharina Tiwald als masochistische Cosima Wagner, die die Tür zu ihrem Innersten aufstößt und so das facettenreiche Bild einer pflichtbewussten Frau zeigt, die sich bedingungslos für das große Ganze aufopfert. Vom Premierenpublikum gab es dafür lang anhaltenden Applaus.