Mann Ohr Mann! Ein Geschlecht wird belauscht

Uraufführung: Theater Drachengasse, 9. November 2015

 

Männer! Sie sollen anders Vater sein und anders lieben als früher, anders soft sein und anders Härte beweisen …

Wir haben sie gefragt, die Männer. Männer. Wie es ihnen so geht, heutzutage, als Mann. Gefragt in Interviews, im Blog (mit Facebook-Wurmfortsatz) und mitgehört in Gesprächsfetzen … Ich sag nicht mir ist kalt – ich bin ein Mann.

Mann Ohr Mann! ist ein Stück an der Schnittstelle von Sprache und Musik: die Zwischenbilanz einer Forschungsreise ins exotische Land der männlichen Emotionen. Ein dreistimmiges Männerstück mit Instrumenten, das hinter Panzer von sogenannten
Männerbildern blicken will. Oder einfach nur ein langes Gedicht zu männlicher Gender-Selbstwahrnehmung – poetisch, musikalisch und männlich.

Regie: Julia Nina Kneussel
Musik: Bernhard Eder, Julia Nina Kneussel, Ensemble
Ausstattung: Gudrun Lenk-Wane
Regieassistenz: Verena Rosna
Darsteller: Alexander Fennon, Nikolaus Firmkranz, Albert Friedl

KeinFunkenLand

Uraufführung: OHO/Offenes Haus Oberwart, 31.12.2014

Der erste Teil von Reinhold F. Stumpf zeichnet die Geschehnisse vom Herbst 1921 nach, als in Oberwart die Republik Lajtabánság ausgerufen wurde, ein Operettenstaat, der immerhin einen Monat lang Bestand hatte.

Der zweite Teil von March Höld spielt in der Gegenwart: der Webmaster der „Kaiser-Karl-Gebetsliga“ für den Völkerfrieden träumt von der Ehe und glaubt, dass Wunder alles wieder gut machen können – wovon seine Mutter aber nichts wissen will. Denn alle Krankheiten, von denen Menschen auf Fürsprache des Seligen Kaisers Karl von Österreich geheilt werden, brechen in der alten „Urli“ wieder hervor.

Der dritte und letzte Teil von Katharina Tiwald spielt in einem postapokalyptischen Ambiente der Zukunft, in dem das Burgenland wieder ein Teil Großungarns geworden ist. Drei Menschen versuchen mit ihrem Guerilla-Radio Widerstand gegen die kulturell wie politisch eher trostlosen zukünftigen Gegebenheiten zu leisten…

AutorInnen: Reinhold Stumpf, March Höld, Katharina Tiwald
Mit Klaus Haberl, Christoph Krutzler, Monika Pallua, Petra Strasser
Bühnenbild: Wolfgang Horvath / Musik: Rainer Paul
Videoanimation: Georg Müllner / Licht: Alfred Masal
Regie: Angelika Messner

Die Kümmerinnen in: Leuchtkraftformel

Die Kümmerinnen in: Leuchtkraftformel

Uraufführung: Theater Drachengasse, 22.9.2014

Pressefoto: Barbara Pálffy

Comedy meets Sprachkunst meets Gender: Vier junge kompromisslose Künstlerinnen, Die Kümmerinnen, touren um die Welt mit ihren sexy Sprachschlachten und machen ordentlich Furore. Sie landen in einer turbulenten Radiosendung und präsentieren uns – und einer ehrgeizigen Praktikantin eines Radiosenders – ihr neues Kunstprojekt: die Suche nach der ultimativen „Leuchtkraftformel“! Dabei wird wild mit Sprache und Musik experimentiert.

Wird es ihnen gelingen, sich zum Wort „Solidarität“ vorzuarbeiten? Hinzudichten? Durchzusingen? Was trägt die Braut von heute? Was machen Kinder mit der Karriere? Und was bitteschön haben Thomas Hampson und Britney Spears damit zu tun?

Eine spoken word-performance der ganz anderen Art.
Musikalisch, weiblich, wunderschön …

Regie: Julia Nina Kneussel 
Bühne, Kostüm: Gudrun Lenk-Wane
Regieassistenz: Martina Theissl 
Darstellerinnen: Anna Maria Eder, Katharina von Harsdorf, Constanze Passin, Lisa Schrammel

Stalins Heiliger

Uraufführung: 12. Mai 2014, Theater Drachengasse

STALINS HEILIGER zeigt die existentielle Ausnahmesitutation eines jungen Mannes, der im Russland Putins seinem KGB-Verhöroffizier gegenüber sitzt. Es geht nicht (wirklich nicht?) um physische Gewalt, sondern um die klassischen Fragen – welche Kraft ist stärker, und welchen Preis will man bezahlen. Kohlhaas oder Antigone …

Und jetzt alle gemeinsam: Alle Rechte sind gleich! Alle Würde ist gleich! Alles gleich! Jetzt und sofort! Mund auf, oder ich schieß!

Es spielten Susanna Hirschler, Victor Couzyn, Rainer Spechtl, Boris Popovic, Regie führte Alexander Medem.

Die Kümmerinnen

Die Kümmerinnen

Eine vierstimmige Sinfonie – ein „Quadrilog erboster Fraulichkeit“, ausgezeichnet mit dem Publikumspreis beim Kurzstückwettbewerb im Theater Drachengasse/Wien 2013.
Es spielten Anna Maria Eder, Pippa Galli, Katharina von Harsdorf und Viktoria Hillisch; Regie führte Julia Kneussel.

Das Cosima Panorama

Uraufführung: 31. Dezember 2011, OHO/Offenes Haus Oberwart

Cosima Wagner – Frau des Operngranden und Antisemiten Richard Wagner, Tochter von Franz Liszt und Schriftstellerin Marie d’Agoult – verkörpert wie kaum eine Zweite die masochistische, wohl eingeübte (und von Papa geförderte) Selbstverleugnung einer weiblichen Muse. In der Rolle der dienenden Frau unterdrückt sie das eigene Talent, um in der Gegenbewegung umso mehr im Werk ihres Mannes aufzugehen. „Das Cosima Panorama“ hält Innenschau in diesen Charakter und verleiht ihm Stimme: gruselig-logisch, beherzt und tragisch unbeirrbar.
Mit dem Theatertext verschnitten werden die Lebensgeschichten von „ganz normalen“ Frauen, die Schnittpunkte mit Cosimas Biographie aufweisen – spannende Berührungen, die zeigen, wie zwingend weibliches Schicksal heute noch ist, wie fragil die Möglichkeit der Entscheidung.

Besetzung:
 Cosima: Katharina Tiwald
; C1 / Tanz: Vera Neubauer; 
C2 / Gesang: Eveline Rabold
; R / Schattenriss Wagners: Siegfried Steiner
; Trommler: Fenenc Chincsi
Interviewpartnerinnen: Fria Elfen, Miriam Herlicska, Paula Molin-Pradel, Beatrix Rehm, Petra Schmögner, Elisabeth Schwarzl, Helene Tiwald
Musikalischer Support: Rainer Paul
; Lichtdesign: Alfred Masal
Technik, Ton und Video: Mario Horvath, Georg Müllner
; Bauten: Herbert Polzhofer

 

Messe für Eine

Messe für Eine

Uraufführung: 5. April 2007, OHO/Offenes Haus Oberwart, Regie: Peter Wagner

Musik: Rainer Paul, Licht: Alfred Masal

Foto: Eveline Rabold

Gastspiele im Kosmos Theater Wien, Theaterland Dechantskirchen

Die katholische Messe ist eigentlich eine überwältigende Show. Während die Gemeinde im poetischen, rhythmischen Gemurmel versinkt, hat der Priester einen Glanzauftritt als Rhetoriker; und alle Handlung strebt dem ultimativen Ritual zu, der Aufbereitung von Brot als Körper und Wein als Blut, der Einverleibung von Körper und Blut letzten Endes.
In den Texten der katholischen Liturgie steckt eine Sprengkraft, die hinter allem Göttlichen aufs Menschliche zielt. Welche Dramatik steckt in dem Satz „Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken, durch meine Schuld“! Allerdings verblasst die dramatische Kraft vor dem unbedingten Gott – dann doch lieber das eigene Hochgekommene nach oben lenken, hinprojizieren; und sie verblasst vor dem Automatismus, der in die Liturgie eingekehrt ist – Automatismus durch Gemeinschaft.
Die „Messe für Eine“ (nämlich für eine Frau) sind die aufgebrochenen Formeln der katholischen Messe. Die Formeln sollen zwischen die Finger gepresst werden, und ihre Essenz soll zwischen den Fingern hervorquellen. Dabei geht es nicht darum, das Christentum zu propagieren und die Messe als Messe zu erneuern. Diese Messe steigt aus dem System und konzentriert sich auf die Sprachkraft dessen, was in einer Messe eigentlich gesagt wird, sie wirft zerrissene Schlaglichter auf die Rituale, die im Rahmen einer Messe vollzogen werden: das Bekenntnis der eigenen Schuld, die verzweifelten Fürbitten, die Suche nach dem Ort der Toten …
All das ist in der klassischen katholischen Messe aber von Gott und dem Gottstreben überlagert… selbst die Tagesgebete, von denen es für jeden Sonntag im Jahreskreis ein eigenes gibt, spiegeln Ideologie wieder, die sich sprachlich zerlegen lässt – nämlich den Handel mit Gott: die Selbsterniedrigung, damit wir das verheißene Erbe erlangen.
Der neue Text, die „Messe für Eine“, hält sich an den Verlauf der katholischen Messe, wortet aber um, schichtet um, reißt auseinander, lässt sich den Herrschaftsdiskurs nicht gefallen und zielt in die Mitte der Dinge.

Dorf Interrupted

Dorf Interrupted

Uraufführung: 26. Jänner 2006, OHO/Offenes Haus Oberwart, Regie: Peter Wagner

Stück für fünf Personen: Er, Sie, Dorf, Nonne, Fotograf.

(Pressefoto: Wally Geier)

Es gibt Momente, in denen ein einziger Impuls genügt, um eine Kettenreaktion auszulösen. Der Impuls für die Kettenreaktion „Dorf.Interrupted“ war eine Ausschreibung des Theaters Phönix, das nach einem „radikalen Volksstück“ suchte.

Ok, dachte ich. Und hatte sofort die Figur „Dorf“ im Kopf, die Szene, in der das Dorf zum Berg wird, die andere, in der es zum Tal wird…

Wolfgang Weisgram im „Standard“, 28.1.2006:

Oberwart – Gut drei Jahre lang hat Peter Wagner vergeblich nach einem Financier gesucht, um den Text einer der bemerkenswertesten jungen österreichischen Autorinnen, Katharina Tiwald, auf die Bühne zu bringen. Bis er schließlich ins Oberwarter Büro des AMS marschierte. Mit einer vagen Idee, für die man dort – „für mich selbst überraschend“ – offene Ohren hatte. Und so wurde aus der Theaterproduktion ein Projekt für Langzeitarbeitslose aus dem Südburgenland.
Keine Peinlichkeit
 – Donnerstagabend hatte das Stück „Dorf.Interrupted“ Premiere im Offenen Haus Oberwart (OHO), und es war keineswegs der von manchen befürchtete, laienhaft heruntergebogene Abend, sondern eine zauberhafte, jede Klippe möglicher Peinlichkeit umschiffende Aufführung, die unter anderem davon lebt, dass die sperrigen, sich an den Wortsinnen entlang hantelnden Textkaskaden gerade im Verständnisbemühen der Nichtprofis einen tönenden Resonanzkörper gefunden haben.
70 kamen zum Casting
 – So gelungen diese Aufführung auch war: Peter Wagner, der im Südburgenland lebende Schriftsteller mit der ausgeprägten Theaterpranke, sprach dennoch lieber übers Projekt selbst und die – vom AMS dorthin quasi in Schulung geschickten – Menschen, die es trugen. 70 kamen zum Casting. 15 davon waren „verrückt genug, sich das anzutun“. Aber auch von diesen wollten die meisten eher hinter die Bühne.
Handwerker für die Bühne – 
Einer, erzählt Wagner, habe den Traum, Pressefotograf zu werden. Also schickte Wagner ihn durchs Land, Dorfbilder zu sammeln. Das Bühnenbild, ein alter Dachstuhl, war die Idee und die Tat eines Handwerkers, „die Masken verdanken ihr Dasein der kreativen Potenz einer zweiundzwanzigjährigen so genannten Freizeitmalerin“, selbst die Website war kein Fall fürs Outsourcing. Vier aus dem Team haben schließlich den Schritt an die Rampe gewagt.
Modellcharakter
 – Das AMS hat für zweieinhalb Monate die Anstellung übernommen. Und Wagner glaubt, dass dieses Projekt Modellcharakter haben könnte. „Was das für das Selbstwertgefühl der Menschen bedeutet, kann man gar nicht hoch genug einschätzen.“ Nicht nur für die vier Schauspieler. „Es ist darum gegangen, im Team zu arbeiten, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.“ Und nicht nur das: „Die wichtigste Erfahrung ist wohl die, etwas durchgezogen, fertig gemacht zu haben.“
Und dass das etwas ist, das sich herzeigen lässt, davon kann sich im OHO jeder überzeugen.