Dorf Interrupted

Uraufführung: 26. Jänner 2006, OHO/Offenes Haus Oberwart, Regie: Peter Wagner

Stück für fünf Personen: Er, Sie, Dorf, Nonne, Fotograf.

(Pressefoto: Wally Geier)

Es gibt Momente, in denen ein einziger Impuls genügt, um eine Kettenreaktion auszulösen. Der Impuls für die Kettenreaktion „Dorf.Interrupted“ war eine Ausschreibung des Theaters Phönix, das nach einem „radikalen Volksstück“ suchte.

Ok, dachte ich. Und hatte sofort die Figur „Dorf“ im Kopf, die Szene, in der das Dorf zum Berg wird, die andere, in der es zum Tal wird…

Wolfgang Weisgram im „Standard“, 28.1.2006:

Oberwart – Gut drei Jahre lang hat Peter Wagner vergeblich nach einem Financier gesucht, um den Text einer der bemerkenswertesten jungen österreichischen Autorinnen, Katharina Tiwald, auf die Bühne zu bringen. Bis er schließlich ins Oberwarter Büro des AMS marschierte. Mit einer vagen Idee, für die man dort – „für mich selbst überraschend“ – offene Ohren hatte. Und so wurde aus der Theaterproduktion ein Projekt für Langzeitarbeitslose aus dem Südburgenland.
Keine Peinlichkeit
 – Donnerstagabend hatte das Stück „Dorf.Interrupted“ Premiere im Offenen Haus Oberwart (OHO), und es war keineswegs der von manchen befürchtete, laienhaft heruntergebogene Abend, sondern eine zauberhafte, jede Klippe möglicher Peinlichkeit umschiffende Aufführung, die unter anderem davon lebt, dass die sperrigen, sich an den Wortsinnen entlang hantelnden Textkaskaden gerade im Verständnisbemühen der Nichtprofis einen tönenden Resonanzkörper gefunden haben.
70 kamen zum Casting
 – So gelungen diese Aufführung auch war: Peter Wagner, der im Südburgenland lebende Schriftsteller mit der ausgeprägten Theaterpranke, sprach dennoch lieber übers Projekt selbst und die – vom AMS dorthin quasi in Schulung geschickten – Menschen, die es trugen. 70 kamen zum Casting. 15 davon waren „verrückt genug, sich das anzutun“. Aber auch von diesen wollten die meisten eher hinter die Bühne.
Handwerker für die Bühne – 
Einer, erzählt Wagner, habe den Traum, Pressefotograf zu werden. Also schickte Wagner ihn durchs Land, Dorfbilder zu sammeln. Das Bühnenbild, ein alter Dachstuhl, war die Idee und die Tat eines Handwerkers, „die Masken verdanken ihr Dasein der kreativen Potenz einer zweiundzwanzigjährigen so genannten Freizeitmalerin“, selbst die Website war kein Fall fürs Outsourcing. Vier aus dem Team haben schließlich den Schritt an die Rampe gewagt.
Modellcharakter
 – Das AMS hat für zweieinhalb Monate die Anstellung übernommen. Und Wagner glaubt, dass dieses Projekt Modellcharakter haben könnte. „Was das für das Selbstwertgefühl der Menschen bedeutet, kann man gar nicht hoch genug einschätzen.“ Nicht nur für die vier Schauspieler. „Es ist darum gegangen, im Team zu arbeiten, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.“ Und nicht nur das: „Die wichtigste Erfahrung ist wohl die, etwas durchgezogen, fertig gemacht zu haben.“
Und dass das etwas ist, das sich herzeigen lässt, davon kann sich im OHO jeder überzeugen.