Messe für Eine

Uraufführung: 5. April 2007, OHO/Offenes Haus Oberwart, Regie: Peter Wagner

Musik: Rainer Paul, Licht: Alfred Masal

Foto: Eveline Rabold

Gastspiele im Kosmos Theater Wien, Theaterland Dechantskirchen

Die katholische Messe ist eigentlich eine überwältigende Show. Während die Gemeinde im poetischen, rhythmischen Gemurmel versinkt, hat der Priester einen Glanzauftritt als Rhetoriker; und alle Handlung strebt dem ultimativen Ritual zu, der Aufbereitung von Brot als Körper und Wein als Blut, der Einverleibung von Körper und Blut letzten Endes.
In den Texten der katholischen Liturgie steckt eine Sprengkraft, die hinter allem Göttlichen aufs Menschliche zielt. Welche Dramatik steckt in dem Satz „Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken, durch meine Schuld“! Allerdings verblasst die dramatische Kraft vor dem unbedingten Gott – dann doch lieber das eigene Hochgekommene nach oben lenken, hinprojizieren; und sie verblasst vor dem Automatismus, der in die Liturgie eingekehrt ist – Automatismus durch Gemeinschaft.
Die „Messe für Eine“ (nämlich für eine Frau) sind die aufgebrochenen Formeln der katholischen Messe. Die Formeln sollen zwischen die Finger gepresst werden, und ihre Essenz soll zwischen den Fingern hervorquellen. Dabei geht es nicht darum, das Christentum zu propagieren und die Messe als Messe zu erneuern. Diese Messe steigt aus dem System und konzentriert sich auf die Sprachkraft dessen, was in einer Messe eigentlich gesagt wird, sie wirft zerrissene Schlaglichter auf die Rituale, die im Rahmen einer Messe vollzogen werden: das Bekenntnis der eigenen Schuld, die verzweifelten Fürbitten, die Suche nach dem Ort der Toten …
All das ist in der klassischen katholischen Messe aber von Gott und dem Gottstreben überlagert… selbst die Tagesgebete, von denen es für jeden Sonntag im Jahreskreis ein eigenes gibt, spiegeln Ideologie wieder, die sich sprachlich zerlegen lässt – nämlich den Handel mit Gott: die Selbsterniedrigung, damit wir das verheißene Erbe erlangen.
Der neue Text, die „Messe für Eine“, hält sich an den Verlauf der katholischen Messe, wortet aber um, schichtet um, reißt auseinander, lässt sich den Herrschaftsdiskurs nicht gefallen und zielt in die Mitte der Dinge.